FSJ oder Zivi im Rettungsdienst

rettungsdienstBrisante Alternative zum Zivi als Essensfahrer – Ein Erfahrungsbericht
Irgendwann muss sich jeder junge Mann, der bei der Musterung nicht aussortiert wurde die Frage stellen, in welchem Bereich er sein Jahr der gemeinnützigen Arbeit verbringen möchte. Für diejenigen, die sich gegen den Wehrdienst entschieden haben, steht eine große Angebotspalette im Zivildienst bereit, die vom Hofputzen bei der Diakonie über die Betreuung von Kindern an Behindertenschulen bis zum Ausfahren von Essen bei Hilfsorganisationen reicht. Wer jedoch zusätzliche fachliche Weiterbildungen mitnehmen möchte – und sich für ein späteres Studium Pluspunkte sammeln möchte – sollte an ein Freiwilliges Soziales Jahr im Rettungsdienst denken.

Schwere Wahl
Bis zum Tag der Musterung wäre die Bundeswehr tatsächlich eine Alternative für mich gewesen. Die Grundausbildung habe ich unter sportlichen Aspekten für akzeptabel befunden und danach hätte ich beim Bund Luft- und Raumfahrttechnik studieren wollen. Doch meine 1,99 Meter Körpergröße und die Amalgamplomben in meinen Zähnen degradierten mich zum „T2“ und aus war der Traum. Auf der Suche nach Alternativen zum gewöhnlichen Wehrdienst hospitierte ich einen Tag an einer Schule für geistig behinderte Kinder und hätte dort sofort anfangen wollen, wenn mich nicht ein Schulfreund auf den Trichter gebracht hätte mich im Rettungsdienst zu versuchen. Bis dato beschränkte sich mein medizinisches Interesse lediglich auf zahlreiche erlittene Sportverletzungen und die weibliche Anatomie, und die Jungs von der Freiwilligen Feuerwehr empfand ich – so wie auch heute noch – nicht unbedingt als Gleichgesinnte. Dennoch stellte ich mich beim Leiter der kleinen lokalen Rettungswache vor und konnte tatsächlich Begeisterung für das Metier entwickeln, das jedoch schon mal direkt einen ersten Haken mit sich brachte: Für das volle Programm müsste ich mich für ganze zwölf anstatt der üblichen zehn Monate verpflichten.

FSJ statt Zivi
Seit 2003 hat sich im Bereich des Zivildienstes einiges geändert, sodass aufgrund der ständigen Verkürzung der Zivildienstzeit das Freiwillige Soziale Jahr eine größere Rolle einnimmt. Viele Organisationen stehen vor Problemen, wenn sie zwischenzeitlich für zwei bis drei Monate ohne die junge günstige Unterstützung dastehen. Ich wurde vor die Alternative gestellt nur zehn Monate für die Hilfsorganisation zu arbeiten und anfangs eine vierwöchige Schulung zu durchlaufen, die mich befähigte als zweiter Mann auf einem Krankenwagen mitzufahren, oder das Zwölfmonatsprogramm mit dreimonatiger Ausbildung und der Erlaubnis zweiter Mann einer Rettungswagenbesatzung zu sein ( Mehr zu Ausbildungen im Rettungsdienst und Arbeitsstrukturen). Ich entschied mich schließlich für die zweite Variante, die in gleichem Maße entlohnt wurde, arbeitsrechtliche Vorteile gegenüber Zivildienstleistenden mitbrachte und zusätzlich drei Wochen mit äußerst entspannten Seminaren der „pädagogischen Begleitung“ beinhaltete. Natürlich wird das FSJ ebenfalls vom Bundesamt für den Zivildienst anerkannt.

Ins kalte Wasser
Nachdem ich die ersten zwei Tage auf der Wache verbrachte und als „Zuschauer“ einen groben Einblick in den Rettungsdienstalltag erhielt, ging es dann zur vierwöchigen Ausbildung zum sogenannten Rettungshelfer. In einer Zwanzig-Mann-Klasse, wild gemischt mit Willigen aus ganz Deutschland, wurden wir über grundsätzliche medizinische Aspekte, Notfallkrankheitsbilder und deren primäre Behandlung, sowie über arbeitstechnische Abläufe theoretisch und praktisch unterrichtet. Schulung, Anreise, Unterbringung und Verpflegung wurden natürlich übernommen. Im Anschluss folgten zwei Praktika – das erste wurde vier Wochen lang im Krankenhaus zwischen Ambulanz, Intensivstation und OP absolviert, bevor es dann das erste Mal an die eigentliche Materie ging: Praktikant im Rettungswagen. War ich bis dahin noch von dem ausgegangen, was meinen späteren Alltag bestimmen sollte, und zwar ältere Damen aus dem Altenheim ins Krankenhaus zu kutschieren, so wurde ich hier eines Besseren belehrt. Direkt am ersten Tag lautete das Programm Kind mit Krampfanfall, Autounfall mit eingeklemmter Person und Patient mit Herzinfarkt. Auch an den folgenden Praktikumstagen sollte ich des Öfteren ins Schwitzen geraten, wobei natürlich nicht jeder Einsatz voller Spannung steckte. Am letzten Tag des Rettungswachenpraktikums gab es dann auch den ersten Einsatz mit dem Rettungshubschrauber, nachdem ein junger Mann eine Amputationsverletzung am linken Fuß erlitt. Als mir in der Nachbesprechung des Einsatzes durch die zwei erfahrenen Kollegen souveränes Auftreten beim Einsatz attestiert wurde, hatte ich eine neue Leidenschaft in mir entdeckt. Mit gewachsenem Selbstvertrauen absolvierte ich auch das folgende einwöchige Seminar mit anschließender mehrtägiger Prüfung zum Rettungssanitäter erfolgreich. Doch wer glaubt, ich hätte jetzt ein grandiose Karriere in der Menschenrettung gestartet, der täuscht sich, denn nachdem der junge Nachwuchs ausgebildet ist, werden erst einmal Routine und Ausdauer geschult und ein Einsatz mit Blaulicht gehört absolut zur Ausnahme.

Was ist eine 40-Stunden-Woche?
Zwar stellten mein FSJ-Kollege und ich jetzt eine eigene Krankenwagenbesatzung, die keiner weiteren Aufsicht bedürfte, aber es war eben „nur“ ein Krankenwagen, der für Transporte für eingeschränkte aber nicht im Leben bedrohte Personen vorgesehen ist. Und so fühlte man sich im wechselnden 8-Stunden- und 24-Stunden-Schichtmodus ab und zu – und besonders nachts – wie ein Taxifahrer. Heute profitiere ich enorm von dem Umgang mit so zahlreichen Patienten, die einem Eindrücke von ihren Krankheiten schildern, die nicht direkt lebensbedrohlich sind. Sowohl für mein aktuelles Studium der Medizin als auch für meine sozialen Kompetenzen waren diese Monate eine unersetzliche Erfahrung. Von einem richtigen Abschluss der FSJ-Zeit kann aber ich nur schwer berichten, da ich in der Folge und auch heute noch immer wieder aushilfsweise bei der Hilfsorganisation arbeite, insbesondere während die „neuen FSJler“ noch in der Ausbildung sind.

Schlussfolgerung
Wer schon vor dem Schulabschluss z.B. im Schulsanitätsdienst tätig war, der weiß sowieso was zutun ist, aber auch allen anderen, die ihr Jahr der Selbstfindung nützlich und abwechslungsreich gestaltet haben möchten, kann ich den Zivildienst oder ein FSJ im Rettungsdienst nur empfehlen. Des Weiteren gibt es ja auch eine Ausbildung inklusive, die zwar nicht als Lehrberuf anerkannt ist, die man sich aber auf die Ausbildung zum Rettungsassistenten voll anrechnen lassen kann. Bei der Suche des potenziellen Arbeitgebers ist aber Vorsicht angebracht. Erkundigen Sie sich vorher bei „alten“ Zivis, denn bei kleinen, schlechter organisierten Wachen kann es durchaus vorkommen, dass Sie auch mal zum Ausfahren von Essen gebracht werden und mit ungewöhnlichen Dienstplanänderungen konfrontiert werden. Dies geschieht in der Regel wenn überhaupt bei den Hilfsorganisationen wie Malteser, Rotes Kreuz, Johanniter oder ASB, während bei den örtlichen Feuerwehren oft strikter geregelte Arbeitsabläufe zu erwarten sind.

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sgd_allg neu 2013-01

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