So läuft das Medizinstudium ab

MedizinstudiumSchnell studieren, danach den Kittel an und viel Geld verdienen
Man bringt ein Bomben-Abi mit. Man hat gute fünf Jahre gewartet. Man hat klug taktiert und landet hunderte Kilometer vom Wunschort entfernt. Oder der Anwalt hat einem für teures Geld unter die Arme gegriffen. Das Medizinstudium ist wieder einer der beliebtesten Studiengänge in Deutschland und wird aufgrund des massiven Bewerberüberschusses von der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) geregelt. Doch viele angehende Studenten, ob Kinder von Ärzten, Krankenpfleger, die die Herausforderung suchen oder einfach nur Medizininteressierte, haben oft ein falsches Bild vom Ablauf des Studiums.

Wenn die erste Hürde geschafft ist
Zu diesem Zeitpunkt, Ende Juli, ist der Bewerbungsschluss der ZVS bereits abgelaufen und wer nicht zumindest eine 1,3 in seinem Abitur stehen hat, kommt nicht unbedingt direkt über seine Note in das gewünschte Studium, und das ist auch noch äußerst ortsabhängig. Seit 2005 werden bei bundesweit reglementierten Studiengängen 20 Prozent der Plätze an die Abiturbesten vergeben, weitere 20 Prozent an die Anwärter mit der längsten Wartezeit und die restlichen 60 Prozent werden im sogenannten Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) verteilt. Das AdH sieht von Universität zu Universität unterschiedlich aus, so haben sich die meisten Unis dazu entschieden auch diese 60 Prozent nach Abiturnote aufzufüllen – in diesem Fall reicht 1,3 natürlich locker. Einige Hochschulen hingegen haben wieder Auswahlgespräche oder Medizinertests eingeführt. Wenn man nun zu den glücklichen Gewinnern gehört, geht der Stress aber erst richtig los.

Die Vorklinik
Als Vorklinik wird der erste Studienabschnitt bezeichnet, der ganz einfach dem Grundstudium entspricht. Und wer sich erhofft frei nach dem Motto „Lass mich Arzt, ich bin durch“ auf die Welt der Erkrankten losstürzen zu können, muss sich noch ein bisschen gedulden. Im Gegensatz zu vielen anderen Studiengängen, bekommt man den Stundenplan vorgegeben und muss sich nicht aufwendig um Kurse bewerben. In der Regel soll der vorklinische Abschnitt vier Semester dauern und wird mit einer Art Zwischenprüfung abgeschlossen – das Physikum gilt als erste Staatsprüfung.

Wie in jedem Grundstudium werden einem in den ersten zwei Jahren Grundlagen eingetrichtert. Und da die Medizin immer noch ein naturwissenschaftlicher Studiengang ist, beschäftigt man sich auch vorrangig mit den klassischen Naturwissenschaften. In welcher Anordnung und Reihenfolge man die Fächer hat, hängt ebenfalls wieder von der Universität ab. Biologie, Chemie und Physik bauen den Grundstoff für die Biochemie und Physiologie auf. Den wohl spannendsten Anteil in der Vorklinik bildet aber für die meisten die Anatomie. Der Präparierkurs findet in manchen Städten schon im ersten Semester statt, in anderen erst im dritten und vierten Semester.

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Zu jedem dieser Fächer werden Vorlesungen, Seminare und Praktika angeboten. Die Seminare werden in kleinen Kursen abgehalten und sind oft noch recht verschult, für die Praktika muss nicht zu selten ein Eingangstestat bestanden werden, um überhaupt am Praktikum teilnehmen zu dürfen – dann kann man mit Chemikalien oder Oszillographen rumspielen. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt kommt man auch schon zur ersten wichtigen Erkenntnis, die jeden Studienanfänger einholen wird: nicht zu übertriebenes aber stetiges Lernen ist angesagt. Auch in den Seminaren werden immer wieder kleine Prüfungen geschrieben, die einen dazu zwingen ständig auf dem Laufenden zu bleiben. Dies ist aber für die Klausuren am Ende eines Semesters meist ein großer Vorteil, da man den nötigen Stoff oft noch im Gedächtnis hat.

Nicht außen vor, aber meist mit weniger Lernaufwand verbunden, sind die Fächer, die einen mental auf den späteren Alltag vorbereiten sollen. So wird einen die Psychologie mindestens ein Semester lang begleiten. Hinzu kommt in fast allen Fällen ein Praktikum der Berufsfelderkundung, bei dem verschiedene Einrichtungen besucht werden, die mal mehr und mal weniger mit ärztlichen Berufen in Verbindung stehen.

Für die Zulassung zum Physikum sind des Weiteren ein 3monatiges Pflegepraktikum in einem Krankenhaus, sowie ein großer Erste-Hilfe-Schein vorzuweisen. Es empfiehlt zumindest einen Teil des Praktikums bereits vor Antritt des Studiums zu leisten, da man so einerseits einen Einblick in das spätere Berufsleben bekommt und sich vielleicht noch umentscheiden kann, und sich andererseits die wenigen Semesterferien, die einem im Studium bleiben, nicht verbaut.

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Die Klinik
Der zweite Studienabschnitt wird als klinischer Abschnitt bezeichnet und hat seinen Namen auch verdient. Wer kam, um was über Medizin im engeren Sinne zu lernen, der wird über eine Zeit von drei Jahren mit allen Fachbereichen der Humanmedizin bedient. Man sagt, nach dem Physikum würde alles lockerer und leichter werden. Dieser Eindruck ergibt sich womöglich, da man mit dem erlernten Wissen des vorklinischen Abschnitts eine gute Basis hat, um selber Abläufe zu erschließen. In der „Klinik“ ist wohl mehr Verstehen als Auswendig lernen angesagt.

Auf dem Stundenplan stehen allseits bekannte Fachgebiete wie z.B. Orthopädie, Chirurgie, Pädiatrie oder allgemeine Innere Medizin. Man setzt sich aber auch mit den bildgebenden Verfahren auseinander, so z.B. im Fach Radiologie, oder beschäftigt sich mit klinischer Psychologie. Für alle Geschmäcker wird etwas geboten. Es soll ein möglichst flächendeckendes Wissen aus allen medizinischen Ecken vermittelt werden, die Spezialisierung auf einen Facharzt erfolgt ja dann erst nach Abschluss des Studiums in der sogenannten Assistenzarztzeit.

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Im zweiten Studienabschnitt werden ebenfalls Praktika in Krankenhäusern abverlangt, nur heißt das Praktikum in diesem Fall Famulatur. Auch für die persönliche Weiterbildung ist es von Vorteil die Famulaturen in den verschiedensten Bereichen zu absolvieren. Sie bieten eine ideale Möglichkeit sich Krankenhäuser und Abläufe im Ausland anzugucken und dort zu lernen – das wird in der Regel alles anerkannt. Neben dem intensiven Blick über die Schultern der erfahrenen Ärzte, werden Famulanten gerne auch in später alltäglichen Dingen geschult – beliebt ist das Blutabnehmen bei allen anfallenden Patienten.

Das sechste Studienjahr findet fast ausschließlich im Krankenhaus statt. Das sogenannte PJ, kurz für Praxisjahr, bietet dem noch nicht fertigen Medizinstudenten aber die Gelegenheit, ebenfalls wieder in unterschiedlichen Fachbereichen sein Wissen verantwortlich einzusetzen. Natürlich wird man als PJ’ler nicht allein auf die Patienten losgelassen, aber ein größeres Maß an eigenständigem Arbeiten und Denken wird einem abverlangt. Man ist aber auch nicht Vollzeit in den Klinikalltag eingebunden, da einem noch Zeit bleiben soll sich auf die Abschlussprüfung vorzubereiten.

Das Examen
Der Abschluss des Studiums findet in Form eines Staatsexamens statt. Seit der neuen Approbationsordnung von 2002 läuft das Examen nicht mehr geteilt, sondern äußerst umstritten als sogenanntes „Hammerexamen“ ab. Mit bestandenem Staatexamen ist man aber natürlich noch kein Doktor. Man hat sein Studium aber erfolgreich beendet und die Erlaubnis der Ausübung des Arztberufes erworben. Um sich noch einen Doktortitel vor den Namen setzen zu dürfen, muss man eine Doktorarbeit schreiben. Viele fangen damit schon während der Zeit an der Universität an, um später nicht in Zeitnot zu geraten. Wobei ein Doktortitel natürlich keine Pflicht ist, er sieht jedoch besser aus.

Wer kurz vor Beginn des Studiums der Humanmedizin steht und eventuell in den kommenden Wochen noch in eines der oben angesprochenen Auswahlgespräche muss, sollte sich ein paar Regeln dazu anschauen und kann sich von einem Erfahrungsbericht über zwei Auswahlgespräche inspirieren lassen.

Lesen Sie jetzt unsere Tipps für das Studium.

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