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Medizinwissen: die Geheimnisse des Schlafs
Der Mittwochsmediziner löst die Geheimnisse des Schlafs
Sicherlich sind alle Phänomene sowie die allgemeinste Frage, warum wir überhaupt schlafen, noch nicht vollständig von der Wissenschaft erschlossen. Ein paar allgemeine Regeln beachtet der Schlafende aber. Diese stellen wir Ihnen an dieser Stelle vor. Des Weiteren beschäftigen wir uns mit den kuriosen Fragen warum man sich an Träume so schlecht erinnern kann und warum Weltrekorde im Wachbleiben nicht gesund sind. Und wissen Sie, was die Band R.E.M. mit dem Thema Schlaf zu tun hat?
Der Schlaf und seine Phasen
Dass wir nicht einen Hebel umschalten können und mal eben schlafen und dann urplötzlich wieder aufwachen und gleich topfit sind, muss wohl nicht gesagt werden. Aber der Rest unseres Schlafes passiert halt außerhalb unserer bewussten Wahrnehmung, so dass wir Beobachter von außen benötigen, um festzustellen, was da eigentlich genau mit uns passiert. Schlafforscher haben sich dieser Aufgabe angenommen und können das normale Schlafverhalten in zwei grobe Bereiche aufteilen: der Tiefschlaf und der Traumschlaf. Dabei unterscheidet man vom leichten bis zum Tiefschlaf vier Phasen. Ein Zyklus, der diese Phasen nacheinander durchgeht, dauert beim gesunden Menschen 90 Minuten und wird pro Nacht mehrfach wiederholt. Wenn man die im Schnitt 15 bis 20 Minuten des Einschlafvorgangs hinter sich hat, in denen der Körper alle Funktionen langsam runterfährt, dann starten wir in Richtung Tiefschlaf. Der Tiefschlaf ist gekennzeichnet durch niedrigen Puls und Blutdruck, da man ja liegt und nur geringen Sauerstoffbedarf hat, und durch verlangsamte regelmäßige Atmung. Aber das ist nicht alles. Einige Funktionen des Körpers werden in dieser Phase erst richtig aktiv. Allem voran sind es drei Vorgänge. Erstens arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren – daher ist Schlaf so wirksam bei Erkrankungen. Zweitens schüttet der Körper Wachstumshormone aus, die vor allem bei Kindern nachts ihre Wirkung tun können. Und drittens ist das die Zeit, in der die Verdauung das Essen des Tages nochmals richtig verarbeitet. Im Traumschlaf hingegen arbeitet unser Körper im Ganzen richtig aktiv. Unser Gehirn baut Bilder auf, fast als wenn wir wach wären. Atmung und Kreislauf sind unregelmäßig und die Muskulatur erschlafft – wer also noch nicht lag, liegt spätestens jetzt. Auffällig dabei ist das schnelle hin- und herbewegen der Augen, was auf Englisch als „rapid eye movement“, kurz REM, bezeichnet wird.
Seltsame Erkrankungen
Zum Beispiel gibt es eine Krankheit, bei der die oben angesprochene Muskelerschlaffung während der REM-Phase nicht stattfindet und die Betroffenen vom körperlich anstrengenden Zucken bis zum Aufstehen und Rumlaufen ihren Traum miterleben. Dann gibt es ja noch die hochinteressante Narkolepsie, bei der die Personen unkontrolliert einschlafen. Die Ursache liegt bei einem Gen-Defekt an bestimmten Rezeptoren im Gehirn. Ein ganz anderes Problem stellt aber die Schlaflosigkeit dar, von der viele Deutsche betroffen sind. Die Ursachen sind multipel und bedürfen oft einer Therapie, um sie zu überwinden. Was die Folgen von längerer Zeit ohne Schlaf sein können, zeigte sich unter anderem beim Aufstellen eines Weltrekordes im Wachbleiben. Dabei war ein 17-jähriger Amerikaner ganze 11 Tage und Nächte (264 Stunden) standhaft geblieben! Bereits nach 24 Stunden haben schon Zustände von erhöhter Reizbarkeit eingesetzt. Nach zwei Tagen haben die ersten Halluzinationen stattgefunden, die sich in der Folge vermehrt und intensiviert haben. Bei chronischer Schlaflosigkeit gehören Depressionen zu den häufigen Folgen. Sogar als Foltermethode wurde der Schlafentzug eingesetzt. Durch helles Licht und ständiges Wecken wurden Gefangene auch in Deutschland gefoltert. In China soll es die sogenannte „sanfte Folter“ geben, bei der den Gefangenen permanent Wasser ins Gesicht tropft, während diese gefesselt sind. Der Schlafentzug kann bis zum Tod führen!
Und warum jetzt eigentlich?
Es gibt mehrere Theorien zur Frage nach dem Sinn des Schlafs. Bauen Sie sich ihr eigenes Bild daraus zusammen. Also einerseits hat der Schlaf eindeutig regenerative Funktionen auf die meisten unserer Organe und kalibriert die Funktionen auf deren einheitliche Wirkung. Die Psychologie schreibt dem Schlaf reinigende Bedeutung zu. Damit ist gemeint, dass wir zu Teilen die Erlebnisse des Tages in Träumen einfach nochmal verarbeiten, und dass andere unwichtige Informationen mehr oder weniger weggeworfen werden. Dazu hatte der Weltrekordler also keine Chance, was folglich zur Überlastung geführt hat und z.B. die Halluzinationen verursacht hat. Des Weiteren gibt es eine physiologische Begründung für eine Art „Schlafdruck“, der im Laufe des Tages entsteht, weil sich bestimmte Stoffe ansammeln und uns quasi müde machen. Als wahrscheinlichster Kandidat gilt das Adenosin, dessen Wirkung unter anderem von Koffein gehemmt werden kann.
Gut zu wissen
Der durchschnittliche Deutsche schläft übrigens von 23:04 Uhr bis 6:18 Uhr und liegt mit den damit knapp über sieben Stunden im weltweiten Mittel. Man sagt als grobe Regel, dass wer sich mit Schlafenszeiten von vier bis zwölf Stunden im Schnitt wohl fühlt, nicht unter einer Schlafkrankheit leidet. Aber nicht nur zu wenig, sondern auch zu viel Schlaf kann einem die Stimmung in den Keller sinken lassen und macht paradoxerweise sogar müde. Der Mittagsschlaf, der in Deutschland bei Weitem nicht so anerkannt und verbreitet ist, wie z.B. in Japan gilt aber nach wie vor als gesundes und leistungssteigerndes Mittel gegen das alltägliche Mittagstief (Mehr zum Thema Mittagsschlaf). Aber das Mittagstief ist nicht der einzige Leistungsschwachpunkt in unserem Tagesablauf. Da Schulkinder noch ein höheres Schlafbedürfnis als Erwachsene haben ist für sie 9 Uhr morgens noch wie tief in der Nacht. Daher ist gerade in diesem Fall der frühe Beginn der Schule ein Problem. In England startet der Unterricht deshalb in der Regel auch später. Auf die Frage warum man sich nicht an seine Träume erinnern kann, gibt die Wissenschaft übrigens eine recht einfache Antwort. Unser Langzeitgedächtnis nimmt nur Informationen aus Wachphasen auf und zwar auch nur wenn diese mindestens drei Minuten dauern. Wenn wir also aus einem Traum aufwachen, müssen wir drei Minuten wach bleiben, um den Traum längerfristig speichern zu können. Das ist auch der Grund warum man sich meist nur an den letzten Traum am Morgen erinnert.
Rückblick: Letzte Woche haben wir Ihnen in der Medizinreihe am Mittwoch erklärt, warum man vom Sonnenbad braun wird und wofür Sonnenbrillen so alles nützlich sein können.
Vorschau: Nächste Woche wagen wir uns im siebten Teil des Mittwochsmediziners an ein haariges Thema. Morgen stellen wir Ihnen im Rahmen der täglichen Bildungsreihen eine neue Redewendung aus dem Alltag vor.
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