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Thema: Allgemeinbildung | Bookmarken / Mailen
Die Bildungsreihe am Mittwoch: Medizin für Jedermann. Heute: Medizin zum Klugscheißern
In dieser Reihe soll keine medizinische Fachsimpelei abgehandelt werden und Fachbegriffe sollen auch nur vorkommen, wenn man aus ihrer Herkunft eine Geschichte zum Angeben herleiten kann. Alltagstaugliches Wissen soll vermittelt werden und zwar für jedermann. Was geschieht denn so den ganzen Tag an und in unserem Körper. Kurioses, Faszinierendes und Spannendes gibt es zu berichten, was unbedingt beim nächsten Stammtisch-Talk zum Besten gegeben werden muss. Heute soll es um Körperfunktionen gehen, die wir einfach jeden Tag erleben und für die wir oft keine gute Erklärung haben. Warum muss ich eigentlich ständig…?
Warum niesen wir eigentlich?
Eigentlich ist das Niesen kontraproduktiv! Normalerweise transportieren die Flimmerhärchen in unserer Nase aktiv Fremdkörper nach hinten in den Rachen, wo sie dann meist einfach runtergeschluckt werden. Einer unserer zwölf Hirnnerven hängt an der Nasenschleimhaut und stellt dieser eine Irritation fest, so löst er den zweigeteilten Ablauf aus. Erst wird mit dem „Ha…“ die Lunge mit Luft vollgepumpt und schließlich wird mit starker Kontraktion der Bauchmuskeln und des Zwerchfells („…tschi“) die Luft in der Lunge und alles was sich im Rachen befindet mit hoher Geschwindigkeit nach draußen geschossen. Dabei geht ein Großteil durch die Nase und verstopft diese oft eher, als dass man sich des Problems erledigt. Wieso man den Reiz unterdrücken kann, wenn man sich den Finger unter die Nase hält, ist zwar nicht erforscht, hat aber wohl einfach mit Ablenkung zu tun. Sagen sie jemandem, der zum Niesen ausholt schon vorzeitig „Gesundheit“, vielleicht lenkt es ihn oder sie genügend ab.
Hicks…Hicks…Hicks
Der Schluckauf kann einen in den Wahnsinn treiben. Laut Guinessbuch der Rekorde hat sich ein Mann sogar über 60 Jahre damit rumgequält! Und eine alte Erklärung, die die Ursachen bei zu viel Luft im Magen sucht, konnte sich auch nicht bewahrheiten. Im Prinzip ist der kurze „Hicks“ auch hier mit dem Zwerchfell zu verbinden – dieses zieht sich ruckartig zusammen und dehnt folglich die Lunge, da beide miteinander verbunden sind. Dehnt sich die Lunge dann zieht sie Luft, aber der Stimmritze am oberen Ende der Luftröhre geht das zu schnell und sie macht zu. Warum das Zwerchfell sowas macht, dafür gibt es zahlreiche Erklärungen, z.B. zu scharfes Essen, genauso wie es scheinbar hunderte sichere Gegenmittel gibt, wie Erschrecken, Wasser im Kopfstand trinken oder Luft anhalten. Erneut ist die Antwort wohl bei der großen Kraft der Ablenkung zu finden. In der Wissenschaft ist man sich jedoch relativ einig, dass die Lösung in der Entwicklungsgeschichte primitiver Lungenatmer zu suchen ist – diese mussten den Kehldeckel schließen, um Wasser durch ihre Kiemen zu ziehen aber nicht in die Lungen zu bekommen. Babys hicksen bereits im Mutterleib mit gerade 2 Monaten. Vermutlich trainieren sie ihre Atemmuskulatur ohne Fruchtwasser in die Lungen zu bekommen.
Autsch…meine Finger kribbeln
Der Musikantenknochen ist ja gar kein Knochen. Zumindest hat ihn noch keiner gefunden. An der Verbindungsstelle von Oberarm und Elle (lat. Ulna) läuft einer der drei Hauptnerven des Armes entlang und ist dabei relativ ungeschützt in einer Rinne, die man bei gestrecktem Arm auch gut fühlen kann. Keine Muskeln und kaum Fett liegen über dem „Nervus Ulnaris“ und darum reagiert er auch so empfindlich, wenn man ihn sich anstößt. Da er für den Bereich um die Finger auf der Ellenseite verantwortlich ist, also kleiner und Ringfinger, kribbeln dann auch diese beiden hauptsächlich. Eventuell kann es sogar richtig schmerzhaft sein, auch wenn man sich nur leicht stößt. Da der Reiz ja nur einmal kurz gesetzt wird, vergeht das Kribbeln von ganz alleine nach kurzer Zeit. Reiben der betroffenen Finger soll jedoch helfen. Bei einigen Extremfällen muss der Nerv aber operativ verlegt werden, wenn anatomisch bedingt zu oft und zu schmerzhaft Reize ausgelöst werden.
Wenn ich das sehe, wird mir schlecht
Übelkeit hat nur bedingt was mit unserem Magen zu tun. Erbrechen müssen wir, wenn wir was schlechtes oder gar giftiges gegessen haben. Aber auch Gleichgewichtsstörungen und psychischer Stress können Erbrechen auslösen, z.B. vor Prüfungen. Das Brechzentrum liegt also im Gehirn und wenn es Irritationen aus dem Körper empfängt, dann wird uns übel. Das Missempfinden im Magen ist dabei eher eine Projektion. Da das Brechzentrum auch auf visuelle Reize, bzw. damit verbundene Gefühle reagiert, wird einigen z.B. beim Anblick von Blut schlecht. Wenn sich ein Chemotherapie-Patient beim Anblick der Infusionsflasche übergeben muss, nennt man das antizipatorisches Erbrechen. Mit Medikamenten kann die Wirkung des Zentrums im Hirn teilweise gedämpft werden.
Vorschau
Das war der erste Teil unserer Mittwochsreihe der 7 Bildungsreihen bei Bildung-news.com. Beim nächsten mal geht es um die typischen Leiden des Sportlers und derer, die es mal wieder probieren möchten.
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Der Mensch ist ein merkwürdiges Geschöpf…