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Lass mich Arzt, ich bin durch! – Teil 10
Der Mittwochsschamane mit Medizin für Jedermann. Heute: Leiden des Alltags – Nasenbluten, Blaue Flecke und Blasen unter den Füßen
Am Wochenende beim Spiel habe ich einen Ellenbogen ins Gesicht bekommen – meine Nase schien gar nicht aufhören zu wollen mit dem Bluten. Anschließend habe ich noch einen Tritt vors Schienenbein bekommen und der blaue Fleck hat mittlerweile dreimal seine Farbe geändert. Dann hatte ich auch noch neue Schuhe an und habe mir Blasen gelaufen – soll ich die jetzt aufstechen oder besser nicht? Der Mittwochsmediziner erklärt Ihnen warum diese Sachen passieren und wie man damit umgehen sollte.
Nasenbluten
Der Fachbegriff für das allgemeine Nasenbluten lautet Epistaxis. Man muss dabei jedoch zwei Arten des Nasenblutens unterscheiden. Das eine rührt von der Nase selber her – z.B. wenn Kinder zu viel mit dem Finger darin bohren, aber auch wenn man sich zu oft und intensiv die Nase putzt. Des Weiteren zählen zur ersten Form des Nasenblutens auch die Folgen eines Schlages auf die Selbige. In all diesen Fällen ist das Nasenbluten eine Erscheinung am unmittelbaren Ort des Geschehens – man spricht vom habituellen Nasenbluten. Die zweite Form kennzeichnet den Blutfluss als Symptom einer Krankheit oder eines Vorgangs im Körper, der primär mal gar nichts mit der Nase zu tun hat. In den häufigsten Fällen sind Bluthochdruck und Blutgerinnungsstörungen (durch hemmende Medikamente oder z.B. Vitamin K-Mangel) Ursache für eine hohe Anfälligkeit zum Bluten. Aber warum gerade die Nase? Ganz einfach – die Nasenschleimhäute erfüllen zwei wichtige Aufgaben: sie beherbergen eine Vielzahl an Sinneszellen und sie sollen die eingeatmete Luft anfeuchten und erwärmen wie ein Durchlauferhitzer. Dafür muss sie jeweils sehr stark durchblutet sein, damit die Zellen gut versorgt sind und auch eine entsprechende Temperatur erreicht werden kann. Zusätzlich ist die Schleimhaut relativ dünn und empfindlich. Und wie geht man beim Nasenbluten vor? Kopf in den Nacken legen, ist mitunter das schlechteste, was man machen kann. Der Kopf sollte nach vorne geneigt werden, damit das Blut rausfließen kann und nicht in den Rachen läuft. Einerseits sollte man nicht zu viel Blut schlucken, da es Erbrechen auslöst und einatmen (aspirieren) sollte man es noch weniger, da dies abgesehen von schwerer Atemnot zur Lungenentzündung führen kann! Ein kaltes Tuch im Nacken gibt dem Nervensystem den Impuls – aufgrund der empfundenen Kälte – die Blutgefäße enger zu stellen und so wird der Blutverlust massiv verringert. Den Rest machen die Gerinnungsfaktoren im Blut und in der Regel ist ein gewöhnliches Nasenbluten nach ca. fünf Minuten vorüber. Hört es nicht auf zu bluten, sollte man um den Volumenverlust gering zu halten die Nase tamponieren und schnellst möglich einen Arzt aufsuchen, damit es nicht auch noch bis zum Bewusstseinsverlust kommt.
Blauer Fleck
Der Begriff des Hämatoms ist im allgemeinen Sprachgebrauch aber bestens bekannt. Die meisten Ursachen für diesen schwer definierbaren, seine Farbe ändernden Fleck, sind stumpfe Traumata z.B. durch einen Schlag oder Pferdekuss. Aber auch ein Knutschfleck ist ein Hämatom im engeren Sinne. Dabei passiert eigentlich nichts anderes, als dass Blutgefäße im Unterhautfettgewebe aufplatzen und Blut ausfließen kann – dieses kann sich, wenn die Haut nicht verletzt ist, nur begrenzt ausbreiten und drückt sich nach einer gewissen Zeit und Schwellung quasi selber ab. Mit schneller Kühlung erreicht man auch hier eine Engstellung der Gefäße und verringert folglich die Einblutung. Dennoch können blaue Flecke sehr druck- und schmerzempfindlich sein, da sie auch um Nervenenden liegen können. Der Körper baut das Blut in den folgenden zwei bis drei Wochen selber ab und die Stadien des Abbaus kann man grob an der Farbe des Flecks festmachen. Ganz zu Anfang schimmert er rot aufgrund des frischen Blutes, geht aber schnell in einen dunkelroten oder blauen Farbton über, wenn das Blut gerinnt. In der Folge findet ein enzymatischer Abbau mit Gallenfarbstoffen statt, die sich an den roten Blutkörperchen vergehen und dunkelgrüne bis gelb-braune Farben in der Haut hinterlassen. Gefährlich sind Hämatome, also Blutergüsse meist nur dann, wenn man unter einer Gerinnungsstörung leidet und die Blutung nicht stoppen will, besonders bei Einblutungen in Gelenke, oder wenn die Einblutung im Gehirn stattfindet, wo man sie oft nicht direkt feststellen kann, sie aber plötzlich durch Druckerhöhung lebenswichtige Funktionen einschränken kann. Für einen gewöhnlichen blauen Fleck ist ein Arztbesuch nicht von Nöten, bei starken Schwellungen kann man eventuell Blut mit einer Spritze absaugen lassen.
Blase
Der Fachbegriff für die allgemein bekannte dermatologische Erscheinung lautet Bulla. Ihre Ursachen sind so vielseitig und rühren teilweise sogar von Immunerkrankungen her, dass wir uns an dieser Stelle nur auf die klassische Sportler- und Arbeiterblase beschränken. Die wohl bekannteste Ursache ist die mechanische Arbeit auf der Haut durch z.B. neue Schuhe, die reiben oder durch nicht vorhandene Schutzhandschuhe oder Ähnliches. Des Weiteren zählen thermische Einwirkungen zu den üblichsten Ursachen – sowohl zu hohe Temperaturen durch Verbrennungen oder Sonneneinwirkung, als auch sogenannte Eisverbrennungen führen zur Blasenbildung. Dabei lässt der Körper einen Schutzmechanismus anlaufen, durch den an der belasteten Stelle Gewebsflüssigkeit unter die Haut abgepresst wird. Ist die über dem Hautniveau erhabene Blase größer als fünf Millimeter, so darf sie sich offiziell Bulla schimpfen. Die Blase ist aber nach der Hautrötung durch Reizung erst das zweite Symptom, das sich bildet und deutet besonders nach ausgiebigem Sonnenbad bereits auf Verbrennungen zweiten Grades hin! Prinzipiell sollen Blasen übrigens nicht aufgestochen werden, da die Flüssigkeit einen schützenden Mantel für die belastete Haut bildet und gleichzeitig steril ist. Man sollte die Blase in der Regel sogar noch weiter vor Umwelteinflüssen schützen, z.B. mit Blasenpflastern und Salben gegen den Juckreiz, und die Abheilung einfach walten lassen. Eine Blase unterm Fuß, die massiv stört, kann tatsächlich mit der berühmten „sterilen Stecknadel“ aufgestochen werden, anschließend ein bisschen Jod-Salbe und ein Pflaster und die Wirkung wird sich zeigen.
Rückblick: Als Ursache für das Nasenbluten oder ein deftiges Veilchen kann auch schon mal der Bruder Alkohol einstehen – hoffen wir, dass Sie sich höchstens mit einem Kater rumplagen müssen. Wie Sie aber auch diesem vorbeugen bzw. nachwirken können, erfahren Sie beim Mittwochsmediziner der letzten Woche.
Vorschau: Mittlerweile haben wir die Welt der Alltagsmedizin schon zehn mal für Sie durchleuchtet und bieten Ihnen somit nächste Woche einen Überblick über alle bisherigen Themen.
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