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Thema: Allgemeinbildung | Bookmarken / Mailen
Der Mittwochsmediziner für Besserwisser
Sie waren nach langer Pause mal wieder joggen oder steigen nach den Semesterferien wieder in den Unisport ein und merken, dass der Körper nicht mehr alles mitmacht? Es geht nicht um Alterserscheinungen, sondern um Ereignisse in unserem Körper, die selbst den trainierten Sportler treffen können, wenn er sein Training umstellt und andere Muskelgruppen trainiert oder vom Langlauf auf Sprints umsteigt. Der Körper antwortet während der Bewegung mit Ziehen in der Nierengegend und nach der Belastung können wir uns zwei Tage nicht mehr vernünftig bewegen. Bildung-news.com verrät Ihnen was es mit dem Seitenstechen und dem Muskelkater auf sich hat.
Mit Gerüchten aufräumen
Hartnäckig halten sich auch heute noch Gerüchte um die Entstehung von Muskelkater und Seitenstechen. Beides trete nur bei untrainierten Menschen auf, die Ursache liege bei den zu hohen Milchsäurewerten, im Falle des „Katers“, und beim Seitenstechen lösen Milz oder Leber ziehenden Schmerz aus. Hier muss also mal klar gesagt werden: alles Unsinn! Aber zu weit wollen wir uns auch nicht aus dem Fenster lehnen, denn geklärt sind die Ursachen der beiden typischsten Sportnebenwirkungen aus medizinischer Sicht noch nicht zu hundert Prozent. Trotz intensivierter Forschung hat sich die Wissenschaft noch nicht in die tiefsten Tiefen der alltäglichen Leiden des Bewegungsfanatikers begeben. Wir bieten Ihnen einen allgemein verständlichen Überblick vom aktuellen Stand der Dinge.
Muskelkater
Wie er sich anfühlt muss man nicht erklären, und dass er einen bis zu einer Woche verfolgen kann, wissen Sie wohl ebenso. Im Profisport weiß man spätestens seit man den Sportlern nach jeder dritten Platzrunde Blut aus dem Ohrläppchen abzapft, dass es zwischen Laktatwert und Muskelschmerz am nächsten Tag keinen Zusammenhang gibt. Milchsäure ist ein natürliches Abbauprodukt des Muskels, das bei hoher Belastung im Übermaß produziert wird – man „übersäuert“. Da Laktat aber eine Halbwertszeit von ca. 20 Minuten hat, ist es im Körper schon längst abgebaut bevor der katertypische Schmerz einsetzt. Abgesehen davon bildet ja auch der Profisportler bei Belastung permanent Laktat und leidet trotzdem nicht andauernd unter angeschwollenen, harten, kraftlosen und druckempfindlichen Muskeln. Der verspätet einsetzende Schmerz ist also eine Folgereaktion. Worauf? Dafür gibt es zwei Antwortmöglichkeiten: Verletzung und Entzündung.
Verletzungstheorie
Man muss sich Muskelfasern vorstellen wie miteinander fest verbundene Dübel in gegenüberliegenden Wänden. Dabei sind die Widerhaken des Dübels zur aktiven Bewegung fähig, unter Verbrauch von z.B. Kalzium, und ziehen die Wände aufeinander zu. Wussten Sie übrigens, dass Sie mit Training nicht die Anzahl Ihrer Muskelfasern erhöhen, da Sie von Geburt an eine bestimmte unveränderliche Anlage haben? Auf jeden Fall besagt die Verletzungstheorie, dass in der „Widerhaken-Wand-Verbindung“ kleine Risse entstehen und sich dort Wasser einlagert und kleine Einblutungen entstehen. Hauptsächlich passiert das bei ungewohnten Belastungen oder bei einer Bewegung, bei der Muskeln die höchste Kraft entwickeln – bei der Landung. Extreme Belastung für die Muskulatur stellen also Bergablaufen und die abfedernde Landung bei Sprüngen dar!
Entzündungstheorie und Behandlung
Die andere Gruppe der typischen Muskelkaterkandidaten sind die Marathonläufer (mehr zur Marathongeschichte). Langandauernde intensive Stoffwechselvorgänge beim Langstreckenlauf rufen Entzündungsreaktionen vor bei denen sogar auffällig erhöhte Leukozytenwerte festgestellt werden können. Auch hier bleiben wie bei den Verletzungen keine bleibenden Schäden, aber zur Behandlung muss das Gerücht des „über den Schmerz hinwegtrainieren“ an dieser Stelle ebenfalls widerlegt werden. Wie bei allen körperlichen Erscheinungen sind Ruhe und gute Durchblutung die besten Heilmittel. Leichte Bewegung und leichte Massagen kombiniert mit Wärmebehandlung regen die Genesung von angerissenen und entzündeten Muskeln am besten an.
Seitenstechen
Wer aufmerksam unsere Mittwochsreihe liest, wird sich freuen, dass auch heute das Zwerchfell, wie beim Schluckauf und beim Lachen eine entscheidende Rolle spielt. Ja, richtig! Die alte Theorie von zu schnell vom Blut entleerter Milz oder Leber bei Ausdauerbelastung hält sich nicht. Davon ging man lange Zeit aus, da die Schmerzen beiderseits im Oberbauch auftreten. Unterstützend hinzu kam, dass Seitenstechen auch beim Trainierten auftritt, wenn er kurz vor dem Sport gegessen hat. Die Leber ist schließlich ein äußerst aktives Verdauungsorgan. Diesen Ansatz greifen wir auf und bestätigen, dass Mahlzeiten vor Belastungen Seitenstiche auslösen können. Das liegt aber an der direkten Verwachsung von Bauchorganen und Zwerchfell. Ansonsten ist das Seitenstechen eine Plage des Untrainierten. Unser wichtigster Atemmuskel ist innen mit unseren unteren Rippen rundum verwachsen, wie ein Diaphragma (was auch der Fachbegriff für Zwerchfell ist) und bewegt sich hoch und runter. Geschieht diese Bewegung des Zwerchfells ungewohnterweise besonders intensiv und schnell hintereinander, so wird meist der Schmerz an den typischen Stellen ausgelöst. Warum genau es weh tut, ist nicht geklärt, aber man vermutet, es habe mit einer Sauerstoffunterversorgung des Zwerchfells zu tun, wodurch auch leicht Krämpfe ausgelöst werden.
Schnelle Genesung
Da es sich nicht um Verletzungen oder Entzündungen handelt, kann man bekannterweise relativ schnell gegen das unangenehme Gefühl in der Flankengegend angehen. Durch tiefes Einatmen und langsames Ausatmen dehnt sich das Zwerchfell, zusätzlich verbessert man den Sauerstoffgehalt im Blut und folglich auch im Muskel. Natürlich sollte man dabei nicht weiterlaufen, aber zu abrupt stehenbleiben sollte man auch nicht. Drücken und leichtes massieren der schmerzenden Stellen hilft ebenfalls beim Lösen des Krampfes. Generell gilt: unmittelbar vor der Belastung nicht zu essen, man sollte sich langsam an das Maximaltempo herantasten und allgemein sollte man seine Bauchmuskulatur stärken, die die Atmung unterstützt.
Rückblick: Letzte Woche haben wir in unserer Bildungsreihe am Mittwoch das Lachen behandelt. Wenn Sie mehr über Sport und Medizin erfahren möchten, schauen Sie sich die Videos mit den häufigsten Sportverletzungen an.
Vorschau: Morgen stellt Ihnen bildung-news.com eine Redewendung und ihre Herkunft vor. Nächste Woche gibt es bei „Lass mich Arzt, ich bin durch!“ wieder spannendes und kurioses Wissen aus der Medizin zum Angeben.
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