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Bevor Sie den Artikel lesen, möchte ich Sie auf folgende Artikel hinweisen, welche weitere hilfreiche Informationen zum Thema enthalten: |
Medizinwissen: Alles über unsere Haare
Alles was man über Haare wissen und nicht zu wissen braucht
Rapunzel bietet uns das wohl bekannteste Märchen zum Thema Haare. Aber wussten Sie, dass Rapunzel fast 100 Jahre alt gewesen sein müsste, um eine Haarlänge von den beschriebenen zwölf Metern Länge zu erreichen? Ob der Liebhaber sie da noch hätte haben wollen? Ein weiteres wunderbares Märchen hat uns vor wenigen Jahren Christoph Daum erzählt, als er noch hoffte, dass man das Kokain in der berühmtesten Haaruntersuchung des deutschen Sports nicht nachweisen kann. Aber warum hat es doch geklappt? Dies und mehr verrät Ihnen der Mittwochsmediziner.
Was sind Haare?
Neben Fingernägeln und Schweißdrüsen bezeichnet man Haare als sogenannte Hautanhangsgebilde. Das entspricht den Schuppen bei Reptilien oder den Federn bei Vögeln. Haare sind verhornte Haut. Bereits vor der Geburt ist unser Körper fast zur Gänze mit weichem und dünnem Flaumhaar bedeckt. Auf dem Kopf bildet sich bereits das sogenannte Terminalhaar, das sich später auch unter den Achseln, in der Schamgegend und bei Männern im Gesicht entwickelt. Nur die Handflächen und Fußsohlen haben keine Anlage für Haarwachstum. In der mittleren von drei Haarschichten liegen Pigmentkörnchen, die die natürliche Haarfarbe ausmachen. Das Wachstum der Haare fällt bei allen Menschen etwa gleich aus und beträgt knapp über einen Zentimeter pro Monat. Für Rapunzel gilt damit: 12 Zentimeter im Jahr entsprechen 12 Metern in etwa hundert Jahren. Aber so weit kann es gar nicht kommen, da das Haar vorher ausfällt. Unsere Kopfhaare wachsen maximal über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren, ruhen dann ein paar Monate und werden abgestoßen, da die Haarzwiebel als „Hornproduzent“ bereits ein neues Jahr baut. Man wird also bei der Suche nach den längsten Haaren nur wenige Leute finden, die mehr als 60 Zentimeter bieten können. Es ist übrigens absolut normal täglich 50 bis 100 Kopfhaare zu verlieren. Auch wenn Sie das Haarwachstum für langsam halten mögen, betrachtet man alle Haare am Körper inklusive Wimpern, Brauen und Flaum dann kommt man auf eine tägliche Produktion von gut 30 Metern Haaren! Das Gerücht, dass Barthaare von Männern, die sich regelmäßig rasieren anschließend stärker wachsen und dicker werden ist falsch. Da macht der Körper mit der Nachlieferung von Haaren keinen Unterschied. Locken entstehen übrigens, wenn die Haare nicht rund, sondern oval bis elliptisch aus der Haut hervorgehen. Wären sie rund, könnten sie gerade weiter wachsen. Sind sie oval, dann gleichen sie das mit „Kurvenfahrten“ aus.
Ein Relikt aus alten Tagen?
Als wärmendes Fell sind viele Haare sicherlich nützlich, aber ein „nackter Affe“ kommt in seiner Umwelt bestens zurecht. Die Haare, die wir heute noch haben, erfüllen ihren Zweck aber notwendig sind sie nicht. Wenn uns die Haare zu Berge stehen, dann liegt das an den kleinen Muskeln, die an jedem Haar festhalten. Zum Schutz gegen Kälte laufen nun zwei Mechanismen ab. Einerseits zieht sich die Haut zusammen und verringert die Durchblutung und damit gleichzeitig die Abkühlung. Andererseits bleibt zwischen den aufgerichteten Haaren vom Körper angewärmte Luft stehen und dient als Polster. Wenn es windig ist, bleibt bei unseren wenigen Haaren das Polster nicht bestehen und wir empfinden es als noch kälter. Zusätzlich zum Schutz vor Kälte dienen die aufgestellten Haare auch zur Abschreckung von Gegnern, da man sich auf diese Weise aufplustert und größer aussieht. Warum uns im Laufe der Evolution die Haare langsam verloren gegangen sind ist jedenfalls umstritten. Es wird spekuliert, dass der Schweiß auf unserer Haut besser verdunsten kann ohne Haare, aber ansonsten kann es auch einfach sein, dass der Verlust der Haare keinen Nachteil darstellt und folglich nicht ausselektiert wird. Dem was uns bleibt schreibt man aber soziale und sexuelle Funktionen zu. Volles Haupthaar wird in fast allen Gesellschaften als attraktiv anerkannt und hilft bei der Partnersuche. Die Bakterien, die speziell in Achsel- und Schambehaarung zu finden sind lassen den typischen Geruch entstehen sobald man schwitzt – dieser solle prinzipiell als Lockstoff dienen.
Das Christoph-Daum-Dilemma
Hätte er nur gewusst, was Sie jetzt erfahren. Die oben bereits angesprochene Haarzwiebel hat mit der Wurzel Kontakt zu Blutgefäßen, natürlich um reichlich Nährstoffe aufzunehmen. Da die Haarwurzel aber keinen Unterschied zwischen Nähr- und Schadstoffen macht, nimmt sie alles auf und verarbeitet es im Verhornungsprozess, so dass man bei einem 20 Zentimeter langen Haar alle Belastungen der letzten 2 Jahre nachvollziehen kann. In den USA ist es sogar üblich bei Vorstellungsgesprächen ein paar Haare zur Analyse zu hinterlassen. Wo sonst, als in den Vereinigten Staaten gibt es auch noch Drogentests im Supermarkt zu kaufen, mit denen man z.B. die Haare der eigenen Kinder testen kann. Aber auch für andere Zwecke hat die Gerichtsmedizin Haare immer wieder benutzen können. Zwar enthält das Haar an sich keine Erbsubstanzen mehr, die man benutzen könnte, aber wenn man ein Haar ausreißt, nimmt man meist die ganze Wurzel mit, die ausreichend Zellen mit Erbmaterial enthält, um einen genetischen Fingerabdruck zu nehmen.
Rückblick: Letzte Woche haben wir uns mit dem Thema Schlaf beschäftigt. Warum kann man sich so schlecht an Träume erinnern? Und vieles mehr…
Vorschau: Nächste Woche widerlegen wir bei „Lass mich Arzt, ich bin durch!“ kuriose, lustige und skurrile Gerüchte aus der Welt der Medizin, die nicht unbedingt nützlich sein müssen.
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