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Medizinwissen: Kuriose Gerüchte um Männerbrustwarzen
Der Mittwochsmediziner über kuriose Gerüchte um die Brustwarzen der Männer und mehr
Es gibt wohl tausende solcher Geschichten über körperliche Phänomene, die so logisch und lustig klingen wie sie schließlich absurd sind. Wissen Sie warum Männer Brustwarzen haben? Hat Ihnen Ihre Freundin auch schon vorgeworfen, dass Sie eine Memme seien und Frauen viel mehr Schmerzen aushalten? Und wie steht es mit der Tatsache aus, dass Frauen eigentlich immer kalt ist? Aber am besten ist das Gerücht, dass BHs Hängebrüste fördern – und es stimmt!
Das Brustwarzengerücht
Es soll tatsächlich Leute geben, die der Überzeugung sind, dass Männer in unserer Urzeit auch Kinder stillen konnten, wenn die Mutter gerade nicht zur Verfügung stand. Selbst der wehrte Charles Darwin hat diese These mal geäußert. Aber warum stillen männliche Affen ihre Kinder dann nicht? Wir müssen schon bei unserem Ursprung suchen, aber dafür müssen wir nicht in die Vergangenheit reisen, sondern einen Blick in den Mutterleib werfen. Auch wenn bei der Verschmelzung von Eizelle der Mutter und Samenzelle des Vaters aufgrund der Anzahl der X und Y Chromosomen das spätere Geschlecht des Kindes schon feststeht, findet die Entwicklung in den ersten knapp sieben Wochen fast unabhängig davon statt. Brustwarzen und auch Drüsengewebe für die Milch werden bereits in der vierten Woche angelegt. Da aber erst ab der siebten Woche entsprechende Hormone ausgeschüttet werden, die innerlich und äußerlich das Weibliche bzw. Männliche differenzieren, haben Männer nicht nur die Brustwarzen als Überbleibsel, sondern tatsächlich auch eine Drüsenanlage, die theoretisch Milch produzieren könnte. Ab und zu tritt dieses Phänomen noch heute auf bei Männern, die gegen Prostatakrebs eine Hormonbehandlung durchwandern müssen.
Die wehleidigen Männer
Es ist doch logisch – weil Frauen Kinder zur Welt bringen müssen, hat die Natur ihre Barriere für Schmerzempfindung hochgesetzt. Natürlich gibt es dazu auch Studien, die sich mit dem subjektiven Empfinden und mit der objektiven Weiterleitung von Schmerzen im Körper beschäftigen und diese bestätigen alle einhellig: das Gerücht ist falsch! In einer Studie z.B. wurden insgesamt 700 Männer und Frauen nach ähnlichen Bauchoperationen untersucht. Und zwar wurde gegen die Schmerzen wie üblich Morphium verabreicht. Um eine erste Linderung der Schmerzen zu empfinden, haben Frauen trotz des geringeren Körpergewichtes bis zu ein Drittel mehr an Morphium erhalten als die Männer. Das subjektive Empfinden schiebt man auf die Psyche. In fast allen Kulturen gibt es adäquate Sprüche zu unserer Weisheit, dass Indianer keinen Schmerz kennen. Männer werden demnach angeblich dazu erzogen nicht zu jammern. Interessant ist eine Studie, die angeblich besagt, dass Männer in Behandlung von jungen weiblichen Ärzten besonders wenig über Schmerzen klagen. Dass es unter Umständen sogar einen physischen Grund gibt, soll eine Testreihe an Mäusen belegen. Dort wurde ein Protein, das nur bei männlichen Mäusen vorkommt, gehemmt. Anschließend war die ursprünglich höhere Schmerzempfindungsbarriere gleichauf mit der von weiblichen Mäusen.
Die Kälte der Frau
Schieben Sie das Problem nicht auf die Hormone, denn die können mal ausnahmsweise nichts dafür. Die Körpertemperatur ist auch grundsätzlich die gleiche, also kann es daran auch nicht liegen. Für eine passable Antwort auf dieses Gerücht – von dem jeder Mann, der schon mehr als drei Stunden mit einer Frau verbracht hat, weiß, dass es wahr ist – müssen wir die Menschen ein bisschen Pauschalisieren. Männer sind im Schnitt größer und haben durchschnittlich einen geringeren Körperfettanteil bei weniger Muskelmasse. Tut uns Leid, aber das ist einfach so. Das sind auf jeden Fall zwei Voraussetzungen, die für Frauen unvorteilhaft sind. Ein kleinerer Körper hat ein ungünstigeres Verhältnis von Körperoberfläche zum Volumen und folglich wird mehr Wärme abgestrahlt, was bei Hitze zwar gut ist aber bei Kälte eben nicht. Hinzu kommt die Wichtigkeit der gut durchbluteten Muskeln, die unseren Körper warm halten. Kleine Männer und Frauen haben also gar keine andere Chance als schnell zu frieren.
Der BH macht schlaff
Das häufigere Gerücht lautet eigentlich sogar andersherum, denn Interessierte beider Geschlechter denken oft, dass die Brüste der Frauen, die keinen BH tragen schneller „ausleiern“. Selbst BH-Hersteller behaupten nicht, dass ihre Produkte gegen ein solches Ausleiern wirken. Womöglich ist sogar genau das Gegenteil der Fall. Damit die Brüste von Natur aus ihre Form haben, werden sie von Gewebsbändern gehalten. Es gibt folglich unklare Aussagen und auch nur sporadische Studien. Es ist jedenfalls erwiesen, dass sich diese angesprochenen Bänder, wenn sie nicht natürlich belastet werden – also durch Eigengewicht, Schwerkraft und Bewegung – durchaus zurückbilden können. Trägt man keinen BH dann passiert an diesen Bändern eben der natürliche Alterungsprozess und sie dehnen sich mit der Zeit. Der Prozess der Alterung fällt aber selbstverständlich von Frau zu Frau unterschiedlich aus.
Rückblick: Letzte Woche haben wir Ihnen ein manchmal lästiges, meist schönes und auch nützliches Anhängsel unseres Körpers vorgestellt – nämlich die Haare.
Vorschau: Beim nächsten Mal werfen wir wieder einen humorvollen Blick auf ein eigentlich vollkommen natürliches aber skurriles Phänomen des menschlichen Körpers.
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