Bevor Sie den Artikel lesen, möchte ich Sie auf folgende Artikel hinweisen, welche weitere hilfreiche Informationen zum Thema enthalten:

Redensarten und ihre Herkunft, Teil 20

bergunterkunftDas eigene Dach schützt vor schneller Strafe – Jemandem aufs Dach steigen
Man macht versehentlich einen Fehler bei der Arbeit und schon steigt einem der Chef aufs Dach und macht einem die wildesten Vorhaltungen. Wenn man jemandem aufs Dach steigt, dann tadelt man ihn, weist ihn zurecht oder macht ihm schlimme Vorwürfe. Doch warum steigt man jemandem eigentlich sinnbildlich aufs Dach, wenn man ihn „ausschimpfen“ möchte. Wo liegt denn da der Sinn, fragt man sich und erkennt keinen Zusammenhang zwischen einem Dach und dem Rügen von anderen Menschen. Doch es besteht einer und zwar ein sehr anschaulicher…Erfahren sie hier in unserer Donnerstagsreihe mehr über die Redensart und woher sie kommt.

Wer einen Fehler begeht, dem wird aufs Dach gestiegen
Wieder einmal finden wir die Ursprünge dieser Redensart, wie könnte es anders sein, im Mittelalter. Ganz grob gesagt, gab es im damaligen mittelalterlichen Recht einen Absatz, der besagte, dass ein Mann unter seinem eigenen Dach vollkommen geschützt ist. Komme was wolle. Das bedeutete also die Unverletzlichkeit des Heims. Dies beinhaltet, dass Fremde nicht einfach (ohne Erlaubnis des Besitzers) in das Haus eines anderen eindringen dürfen. Und dieses Gesetz wurde auch immer eingehalten, obwohl man sonst im Mittelalter in allen Bereichen, eher wenig Rücksicht auf Vorschriften nahm. Beging ein Mann nun Unrecht, sollte er bald darauf vor Gericht erscheinen um dort seine „gerechte“ Strafe, was meist die Todesstrafe war, zu erhalten. Kam dieser dann aber nicht zum bestellten Ort, sondern versteckte sich lieber im eigenen Haus, das heißt also genauer unter dem eigenen Dach, konnte man ihn nicht so leicht vor Gericht zerren wie gewünscht. Denn das eigene Dach stand für Schutz und Sicherheit. Um nun das Gesetz des Schutzes durch das eigene Dach zu umgehen, stiegen Männer im Namen des Gesetzes auf das Dach des Verbrechers und deckten dieses kurzerhand ab. Schwuppdiwupp war das Gesetz umgangen und der Übeltäter konnte aus dem Haus – jetzt ohne schützendes Dach – abgeführt werden. Ein wenig umständlich aber wenigstens gesetzestreu. Aber nicht nur die gerichtliche Anordnung zum Abdecken war üblich – auch die Nachbarn taten es ab und an in Eigeninitiative. Und zwar um einen Ehemann zu bestrafen und öffentlich zu demütigen. Ehrentadel wurde das dann genannt. Das ganze war die übliche Strafe bei unsittlichem Verhalten in der Ehe. Das Dach wurde demjenigen abgebaut, der von seiner Frau geschlagen wurde. Ja man staune. Nicht wer seine Frau schlug, sondern von derselbigen vor Zeugen geschlagen wurde, dem wurde aufs Dach gestiegen. Und er war damit vor allen anderen Männern des Dorfes bloßgestellt. Zudem musste er das ganze Dach auch wider alleine aufbauen, natürlich nicht unbeachtet von den anderen sich freuenden Nachbarn und restlichen Bürgern. Heute nicht vorstellbar, damals häufige Sitte. Mit diesen Beispielen wird klar, wie die Redensart „jemandem aufs Dach steigen“ zustande kam und warum sie heute im Zusammenhang mit Tadel und Zurechtweisung steht.

Rückblick: Letzten Donnerstag stellten wir Ihnen vor was es bedeutet „auf dem Holzweg zu sein“ und woher diese Redensart ursprünglich stammt. Lesen Sie es doch einfach hier nach.


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