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Rettet die Allgemeinbildung, Teil 11: Dracula
Frage: Wer war das historische Vorbild für die Legende um Graf Dracula?
Sie haben bestimmt schon von mehreren Filmen über oder mit Vampiren gehört oder sie sogar gesehen. Vielleicht haben Sie sogar „Bram Stoker’s Dracula“ gelesen und kennen somit den literarischen Ursprung der Figur. Doch der irische Schriftsteller Abraham Stoker bezog sich in seinem Roman auf eine bereits bestehende Legende um den Vampir-Grafen, die er auf seinen Reisen vor allem durch Ungarn erfahren hatte.
Ein rumänischer Prinz
Um 1890 soll Stoker von einem ungarischen Professor von der Legende um den rumänischen Prinzen Vlad III. Drăculea erfahren haben. Die folgenden Jahre bereiste Stker den Balkan, vor allem Ungarn und Rumänien, und entwickelte seine Vampirsaga. Die historische Person des rumänischen Prinzen diente dabei als Vorlage für seine Figur des Count Dracula. Am 18. Mai 1897 veröffentlichte Bram Stoker schließlich seinen heute weltberühmten Roman, doch obwohl er erst knappe fünfzehn Jahre später verstarb, sollte er den ganz großen Erfolg seines Werkes nicht mehr miterleben. Wie so viele heute weltbekannte Künstler vor und nach ihm starb auch der Ire in bescheidenen Verhältnissen.
Vlad III. Drăculea
Der rumänische Prinz lebte etwa von 1431 bis 1476 und regierte die Walachei, ein ehemaliges rumänisches Fürstentum, in mehreren Zeiträumen, deren längster ungefähr 6 Jahre lang war. Er hatte ein Bündnis mit Ungarn und zu seinem größten Feind machte er durch offene Konfrontation den türkischen Sultan des osmanischen Reiches. Der Sohn von Vlad II. Dracul und Prinzessin Cneajna von Transsylvanien kommt in der heutigen Geschichtsschreibung aus mehreren Gründen oftmals zu schlecht weg. Dies fängt schon bei seinem Namen an, der stark an das heutige rumänische Wort „Drac“ (dt. Teufel) erinnert, jedoch im Mittelalter ziemlich sicher von „Dragon“ (dt. Drache) abstammte, da er wie auch sein Vater dem Drachenorden angehörte. Daher ist die heute gängige Übersetzung seines Namens als „Sohn des Teufels“ mit großer Wahrscheinlichkeit falsch.
Rufmord durch Feinde
Für den schlechten Ruf von Prinz Vlad dürften weiterhin vor allem seine Erzfeinde, die Türken, verantwortlich sein, die nach seiner Dekapitation alles dafür taten, dass er als Monster in die Geschichtsbücher eingeht. So gaben sie ihm erst post mortem den Spitznamen „Ţepeş“ (dt. der Pfähler) um seine brutalen Methoden in der Welt bekannt zu machen. Prinz Vlad pflegte nämlich seine Feinde, sowie Schwerverbracher auf Pfählen aufzuspießen und sie der Öffentlichkeit zur Abschreckung auf dem Marktplatz oder an ähnlichen Orten zu präsentieren. Was heute nicht erwähnt wird, ist die Tatsache, dass dies zur damaligen Zeit auf dem Balkan eine gängige Methode war und dass Prinz Vlad sie sogar höchstwahrscheinlich als jugendlicher Gefangener seiner späteren Feinde und Rufmörder zum ersten Mal in der Ausübung sah.
Held des Volkes
Es wird sogar angenommen, dass der rumänische Prinz ganz entgegen seines heutigen Rufes in der Bevölkerung ein hohes Ansehen genoss. Seine Härte und Brutalität sind zwar unbestritten, doch beendete er in seiner kurzen Amtszeit die Korruption in der Walachei und verminderte die Kriminalitätsrate auf ein Minimum. Auf diese Art und Weise schaffte er es, dass Zucht und Ordnung ins Fürstentum einkehrten, wovon besonders der Handel stark profitierte. All dies wurde dem Prinzen von seinen Untertanen hoch angerechnet.
Die Legende um den Vater aller Vampire
Unabhängig von den verschiedenen Meinungen und Interessen seiner Feinde wie seiner Untertanen, rankten immer viele Gerüchte um Prinz Vlad. So soll die enthauptete Leiche des Herrschers in einem Kloster in Snagov begraben worden sein, doch bei der Öffnung der letzten Ruhestätte wurde keine Leiche gefunden. Außerdem soll der Fürst nicht nur unbarmherzig und gnadenlos seine Ziele verfolgt und ohne Zögern Feinde und Verbrecher ermordet haben, angeblich trank er gelegentlich auch das Blut seiner Opfer. Er galt zudem als Einzelgänger und auch die heutige Fehlübersetzung seines Namens trägt zur Legendenbildung einiges bei. So sind die Sagen um den ersten Vampiren nicht ganz weit hergeholt, sondern basieren auf historischen Begebenheiten (und Fakten) und machen somit die Figur des Vampir-Grafen nur umso interessanter.
Anekdote
Eine Geschichte aus der Zeit seiner Herrschaft dokumentiert recht treffend das Wesen des rumänischen Prinzen. Als er für innerpolitische Ruhe gesorgt hatte, provozierte er all die Staaten, denen die Walachei Tribut zahlen musste, indem er jegliche Zahlung unterließ. Als das osmanische Reich daraufhin Gesandte nach Rumänien zu Verhandlungszwecken schickte, ließ er diese aufspießen. Der türkische Sultan reagierte prompt und ließ eine Armee von 150.000 Mann gegen Prinz Vlad marschieren. Dieser hatte natürlich auch alle anderen Länder durch das Einstellen der Zahlungen gegen sich aufgebracht und hatte bis auf Ungarn keinerlei Verbündete mehr. So zog er sich vor der vorrückenden osmanischen Armee zurück und verbrannte jedes (eigene!!!) Dorf und vergiftete jeden Brunnen auf seinem Rückzug. Die Türken konnten sich somit nur sehr schlecht versorgen und waren bei ihrer Ankunft in der walachischen Haupstadt vollkommen entkräftet. Um die Moral weiter zu senken hatte Vlad zudem türkische Kriegsgefangene pfählen lassen, der Sultan entschied sich letztlich für den Rückzug.
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