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9/11-Opfer mit SS-Offizier verglichen
Die Debatte um das Recht zur freien Meinungsäußerung in den USA kulminierte dieser Tage in dem Rauswurf des im Blickpunkt stehenden Professors Ward L. Churchill
Ein fragwürdiges Essay des Ethnologie-Professors kurz nach den Anschlägen auf die Twin Towers des World Trade Center in New York am 11.09.2001 sorgte besonders in den letzten zwei Jahren für explosiven Gesprächsstoff um das Recht zur freien Meinungsäußerung. Am Dienstag, den 24.07.2007 schließlich wurde Ward L. Churchill von der Colorado University in Boulder gefeuert – jedoch aus ganz anderen Gründen, die von einigen als Vorwand angesehen und deshalb in Frage gestellt werden.
Der Ursprung der Debatte
Unmittelbar nach den Terroranschlägen auf die USA kritisierte Churchill die aggressive Nah-Ost-Politik der Vereinigten Staaten und Verglich die Opfer in den eingestürzten Türmen als Symbol für die amerikanische Haltung mit dem SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann:
“If there was a better, more effective, or in fact any other way of visiting some penalty befitting their participation upon the little Eichmanns inhabiting the sterile sanctuary of the twin towers, I’d really be interested in hearing about it.”
Doch erst im Jahre 2005 geriet das Essay tatsächlich in den Blickpunkt und in die Kritik der amerikanischen Öffentlichkeit. An diesem Beispiel wurde das in den USA sehr weit gefasste Recht zur freien Meinungsäußerung diskutiert und hinterfragt, doch aufgrund dieses Rechtes konnte Churchill nicht belangt werden.
Konsequenzen
Durch die Debatte geriet nicht nur Churchill, sondern zunehmend auch die Colorado University unter Druck. So musste der Professor Anfang 2005 auf Wunsch der Universität von seinem Posten als Dekan seiner Abteilung zurücktreten. Zwischenzeitlich wurden ihm sogar Lehrveranstaltungen verwehrt, so dass er bezahlt wurde ohne sein Wissen an die Studenten weitergeben zu düfen/müssen. Seit Mai 2007 wuchs die interne Stimmung gegen den seit 1991 in Boulder angestellten Ethnologen, nun folgte der vom Präsidenten der Universität forcierte Rausschmiss. Jedoch aus ganz anderen Gründen als den höchst zweifelhaften Äußerungen seines Essays…
Die Gründe für den Rausschmiss
Laut Universitätspräsident Hank Brown sei die Beschäftigung Churchills als Professor nicht mehr tragbar, da dieser Geschichte „falsifiziert“ und selbst „fabriziert“ habe. So wurde der Professor beispielsweise beschuldigt, dass er sich Quellen zurechtgelegt und aus dem Zusammenhang gerissen habe nur um zu „beweisen“, dass Captain John Smith im 17. Jahrhundert die Wampoang-Indianer absichtlich mit einem Pockenvirus infiziert habe. Professoren kann sogar ihr Titel aberkannt werden, wenn sich herausstellt, dass sie tasächlich fremdes Gedankengut als ihr eigenes ausgegeben oder ähnliche akademische vergehen begangen haben. In einer von Hank Brown iniziierten Abstimmung des Verwaltungsrats der Universität über den Verbleib Churchills an selbiger votierten 8 gegen und nur 1 für ihn.
Ausblick
“We wanted to do what was right for this university. […] We did not address Professor Churchill’s freedom of speech as part of our discussion.” So wird ein Mitglied des Verwaltungsrats von der New York Times zitiert. Doch inzwischen zweifelt nicht nur Ward Churchill selber an der Richtigkeit dieser Aussage. Viele kritische Stimmen haben sich bereits gemeldet und glauben, dass die Gründe für den Rausschmiss nur ein Vorwand seien, die Debatte um die im Essay getroffenen Aussagen über die Opfer des 11. September seien der eigentlich Grund. Churchill und sein Anwalt jedenfalls sind gewillt vehemnt gegen den Rauswurf anzugehen, wenn es sein muss auch gerne vor Gericht. Die Debatte um das Recht zur freien Meinungsäußerung dürfte damit nochmals verschärft worden sein und geht nun in die nächste Runde. Es bleibt also spannend!
In diesem Ausschnitt beweist Ward L. Churchill seine Eigenwilligkeit und sein Tempermant als er sich auf Hawaii mit Reportern anlegt.
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