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Akademikermangel in Deutschland

akademikermangelDie OECD erhebt neue Zahlen
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat eine neue Studie veröffentlicht, die dem deutschen Hochschulnachwuchs erhebliche Mängel unterstellt – besonders was ihre Anzahl betrifft. Im Europavergleich liegt Deutschland laut OECD nämlich mal wieder ganz hinten in der Rangliste. Der Deutsche Lehrerverband hingegen kritisiert die Äußerungen der OECD, da internationale Abschlüsse verglichen werden, die überhaupt nicht miteinander vergleichbar wären.

Die schlechten Zahlen und Fakten
Deutschland rutscht im weltweiten Vergleich vom 10. auf den 22. Platz ab. Grund dafür sind zu wenige nachkommende Akademiker und dies zeigt sich besonders ernüchternd im Bereich der Ingenieurwissenschaften und bei den Pädagogen. Betrachtet man 100 Ingenieure zwischen 55 und 64, die also in absehbarer Zukunft die Arbeit niederlegen werden, dann stehen diesen nur 90 Nachfolger zwischen 25 und 34 Jahren gegenüber. Besonders klar wird einem die Misere, wenn man die Zahlen der anderen 19 OECD-Länder im Vergleich betrachtet: Dort folgen nämlich im Durchschnitt 190 Jungakademiker den scheidenden Ingenieuren nach! Bei den Pädagogen sehen die Zahlen noch schlechter aus. Während im OECD-Schnitt auf 100 Ältere genau 100 Jüngere folgen, sind es in Deutschland gerade einmal 60 Berufseinsteiger im Bildungsbereich. Betrachtet man jetzt noch die gesamte Studentenschaft, dann wird einem das volle Ausmaß klar: auf 100 Berufstätige folgen in Deutschland 120 Jungakademiker, was sich ja eigentlich nicht schlecht anhört, doch durchschnittlich sind es in den anderen OECD-Ländern sage und schreibe 230 Frischlinge! Während in der Bundesrepublik die Zahl der Studenten in den letzten zehn Jahren um 5 Prozent gestiegen ist, legten die anderen 29 wichtigsten Industrienationen weltweit um etwa 41 Prozent zu.

Die guten Zahlen und Fakten
Die Akademiker, die wir in Deutschland haben, müssen sich nicht beschweren, denn sie nutzen die Nachfrage nach hochqualifizierten Angestellten bestens aus. Bemerkbar macht sich das unter anderem im Betracht auf die Einkommensvorteile. Während ein Hochschulabsolvent (Uni und FH) im Jahre 1997 noch 33 Prozent mehr verdiente als ein Berufstätiger, der „nur“ einen Realschulabschluss vorweisen kann, so sind es heute ungefähr 56 Prozent mehr Gehalt. Nur in Italien und Ungarn wurde der Einkommensvorsprung schneller vergrößert. Des Weiteren sind die Arbeitslosenquoten unter Akademikern in Deutschland weiterhin kleiner werdend (Mehr zu Einstiegschancen bei beliebten Studiengängen finden Sie übrigens hier). Aus dem Ingenieurwesen gibt es aber auch eine positive Zahl, die auf den ersten Blick verwirrend wirkt: Der Anteil an Ingenieuren unter Hochschulabsolventen liegt hierzulande bei 15,9 Prozent und damit klar über dem OECD-Schnitt von 12,2 Prozent. Der dennoch relative Mangel an Jungingenieuren ist wohl mit dem vergleichsweise schnellen Schrumpfen der Erwerbsbevölkerung zu begründen. Ebenfalls positiv wird sich in den nächsten Jahren die Umstellung auf die Master- und Bachelor-Studiengänge auswirken, denn diese bringen durch die kürzere Ausbildung schneller qualifiziertes Personal auf den Markt und die Abbrecherquoten bleiben, eben wegen der kurzen Studienzeit, geringer.

Äpfel mit Birnen
Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes kritisierte in der Bild-Zeitung die Auslegung der Studie. Das duale System mit Ausbildung und Schule werde schlechter gemacht als es ist und neben Österreich und der Schweiz würden auch deutsche Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg beweisen, dass Studierquote und Wirtschaftskraft schwer miteinander zu vergleichen seien. Die genannten Bundesländer hätten deutschlandweit zwar die geringste Studierquote aber bei Weitem die höchste Wirtschaftskraft.



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